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Gute Proben

Nun, da Auftritte auch im Laienbereich wieder erlaubt sind, will ich über ein Thema schreiben, dass rein zeitlich gesehen beim gemeinsamen Musizieren den meisten Raum einnimmt. Heute geht’s ums Proben. 

Wenn ich es grob überschlage, habe ich in meinem Leben an etwa 10 000 Proben teilgenommen, die meisten am Instrument, einige auch als Leiter. Da gab es welche, die waren unheimlich langweilig, es gab andere, die haben schwach angefangen und wurden dann besser (oder umgekehrt), und es gab wieder andere, die waren so intensiv, dass die Zeit wie im Fluge verging. 

Was macht nun eine gute Probe eigentlich aus? 

Meiner Erfahrung nach entsteht eine gute Probenatmosphäre, wenn sich alle Beteiligten auf Augenhöhe behandeln, auch die Musikerinnen und Musiker untereinander. Es gibt drei Begriffe, die ich in diesem Zusammenhang für besonders wichtig halte: Respekt, Konzentration und Geduld. 

Alle drei stehen in einem engen Verhältnis. 

Allem voran steht die Bereitschaft, dass wirklich alle ihr Bestes gehen. Ich meine damit nicht, dass man sich selbst oder andere unter Druck setzt, das wäre kontraproduktiv.  Vielmehr sollte mit größtmöglicher Konzentration das gegeben werden, wozu jede oder jeder Einzelne im Moment in der Lage ist (Das ist nicht jeden Tag gleich, schließlich sind wir Menschen!). Durch diese Bereitschaft mache ich mir selbst ein Geschenk – die Probe bekommt eine Sinnhaftigkeit -, gleichzeitig erweise ich anderen Respekt.  

Spüre ich diese Bereitschaft bei Anderen, ist es auch nicht erforderlich, sie zu belehren, auch dann, wenn mein Können das der Anderen übersteigt. Belehrungen sind deswegen problematisch, weil das Gegenüber nicht als gleichwertig betrachtet wird. Diese Ungleichheit schafft negative Gefühle oder sogar Wut. Beides ist in der Regel kontraproduktiv. Besser ist es, Erfahrungen dann auszutauschen, wenn beim Gegenüber eine Bereitschaft dafür vorhanden ist. Hier sind wir beim Thema Geduld. Manchmal dauert es, bis jemand bereit ist, die eigene Entwicklung voranzutreiben. Der Wunsch sich zu entwickeln wird ausschließlich durch Motivation in Gang gesetzt. Hier kommen wir zur Rolle derjenigen, die die Probe leiten. Produktiv wird eine Probe, wenn sie interessant gestaltet wird. Es gilt, angemessene Herausforderungen zu schaffen und auch einzufordern. Diese können instrumentaltechnischer Art sein (z.B. möglichst leise, möglichst schnell, möglichst rhythmisch) oder musikalisch (z.B. „Ich stelle mir diese Stelle so oder so vor.“). Gelingt es, durch die musikalische Arbeit zu vermitteln, warum die technischen Fertigkeiten notwendig sind, ist das in der Regel besonders motivierend. Dafür muss es erlaubt sein, dass die Dirigentin oder der Dirigent etwas ausprobiert, also ‚probt‘. Die Erlaubnis dafür entsteht durch den Respekt der Teilnehmenden, durch Konzentration, Geduld und einen weiteren wichtigen Aspekt: Ruhe. 

Es schadet übrigens nicht, diese Aspekte in entspannter Runde zu besprechen. Letztendlich werden alle profitieren, wenn sich etwas zum Positiven verändert.

 

 

 

 

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