Wie wichtig Konzentration für das Musizieren ist, merkt man immer dann, wenn sie nicht vollumfänglich vorhanden ist, beispielsweise weil man schlecht geschlafen hat oder gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe ist. Auch bei anderen Tätigkeiten ist es wichtig, sich zu konzentrieren, daher ist es spannend, den Fokus darauf zu richten, wo sich die Art der Konzentration des Musikerberufes von anderen unterscheidet. Wenn ein Konzert beginnt und wir auf der Bühne sitzen, geht es nicht nur darum, die richtigen Noten in der richtigen Lautstärke und Länge zu spielen, vor allem geht es darum, den gesamten Wahrnehmungsraum zu öffnen. Die Nuancen der Tongebung und die Phrasierungen orientieren sich ja nicht nur am Notentext, sondern auch an dem, was von den Mitmusizierenden angeboten wird. Gleichzeitig gilt es zu erfassen, was vom Dirigierpult aus gezeigt wird. Zusätzlich soll das umgesetzt werden, was in den Proben erarbeitet wurde. Das Erfassen der Komplexität der gespielten Kompositionen ist ein weiterer Punkt, der nicht vergessen werden darf. Für den Gesamtklang ist es einfach unheimlich wichtig, wahrzunehmen, wo man mit anderen Musikerinnen und Musikern zusammenspielt, wo die eigene Stimme hervortreten darf oder wo sie zurückgenommen werden muss, wo man eine begleitende Funktion hat oder die wesentliche musikalische Linie spielt. Hierfür muss man die Struktur des Werkes erfassen. Manche beschäftigen sich im Vorfeld mit der Partitur, andere widmen sich verschiedenen Aufnahmen, wieder andere erfassen ein Stück durch das bloße Spielen.
Es gibt also eine Vielzahl an Faktoren, die während eines Konzertes gleichzeitig im Gehirn ablaufen und die für ein lebendiges Musizieren wichtig sind. Große Flexibilität im Spiel ist notwendig, um es mit Energie zu füllen.
Ich denke, es ist die Vielfalt der im Gehirn ablaufenden Prozesse, die unsere Art der Konzentration zu einer besonderen macht.
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