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Präzision

In einer Welt voller Polarisierungen, Pauschalisierungen und Ideologisierungen kann es nicht schaden, den Begriff Präzision ins Zentrum einer Kolumne zu stellen. Viele Konflikte ließen sich vermeiden, zahlreiche Diskussionen wären überflüssig und etliche Missverständnisse könnten ausgeräumt werden, wenn Aussagen und Sachverhalte präziser formuliert wären.

Auch in der Musik ist Präzision eine wesentliche Komponente – sowohl im instrumentalen Spiel als auch im Zusammenspiel mit anderen. Ein gutes Beispiel ist die Dosierung des Luftstroms beim Blechblasinstrument: Die Geschwindigkeit bestimmt die Tonhöhe, die Menge der Luft die Lautstärke. Bin ich als Hornist in der Lage, diese Dosierung flexibel und vor allem präzise einzusetzen, werden Kiekser zur Ausnahme. Gleichzeitig wird das Zusammenspiel mit anderen deutlich einfacher, weil ich in Lautstärke, Artikulation und Klang jede nötige Anpassung unmittelbar umsetzen kann.

Präzision hat zum einen mit Wissen zu tun, zum anderen mit Training. Zusammenhänge müssen verstanden, Details verinnerlicht sein. Gut trainierte Präzision gibt mir Sicherheit auf der Bühne, weil ich intuitiv auf sie zurückgreifen kann und mich dadurch auf das eigentliche Musizieren konzentriere. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil dessen, was Musik den Raum gibt, erfüllend zu sein.

Mit Präzision in der Sprache verhält es sich ähnlich. Wer Sachverhalte und Zusammenhänge gut erklären möchte, kommt nicht darum herum, immer wieder um die richtigen Worte zu ringen. Schon deshalb verlasse ich mich nicht auf plumpe oder undifferenzierte Rhetorik – sie erschöpft sich fast immer in Belanglosigkeit. Präzise Formulierungen sind zwar anstrengender, aber auch inspirierender.

Geben wir der Präzision also wieder ihren verdienten Raum – in der Sprache, in der Musik und in vielen anderen Bereichen.

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